Im Interview teilt Nicole spannende Insights aus der Eventpraxis, verrät das Geheimnis unvergesslicher Keynotes und erklärt, warum unsere Branche dringend mehr Haltung braucht.
Kapitel 01Vom Corporate-Marketing zum eigenen Management
Nicoles Weg ins Speaker-Management verlief völlig organisch: Aus klassischen Marketing-Rollen entwickelte sich über die Jahre ein starker Fokus auf External Facing Channels, Thought Leadership und Konferenzen. Nachdem sie auf Corporate-Seite über 40 Speaking Engagements gepitcht, konzipiert und oft auch direkt vor Ort betreut hatte, war klar: Diese geballte Expertise lässt sich auch eigenständig umsetzen.
Mit loudt. grenzt sie sich heute ganz bewusst von klassischen Großagenturen ab:
- 1:1-Betreuung statt Massenkartei: Statt hunderte Speaker:innen passiv zu verwalten und auf Inbound-Anfragen zu warten, setzt Nicole auf persönliche Nähe. Mit Hilfe eines detaillierten Onboardings lernt sie die Menschen tiefgründig kennen — nur so weiß sie, wo ihre echten Stärken (und vielleicht auch Schwächen) liegen.
- Proaktiver Outbound: Speaker:innen werden gezielt dort platziert, wo ihre Haltung und Expertise wirklich gebraucht werden.
- Individuelle Modelle: Vom Retainer für Newcomer, die noch stark an die Hand genommen werden müssen, bis zum klassischen Provisionsmodell für vielgefragte Profile wird die Zusammenarbeit komplett individuell gestrickt.
Kapitel 02What makes a Keynote great? Die besten Tipps & Trends
Nicole weiß aus eigener, jahrelanger Erfahrung ganz genau, worauf es bei einem richtig guten Bühnenauftritt ankommt. Schließlich konzipiert sie die Vorträge oft gemeinsam mit ihren Speaker:innen, baut die Storylines auf, ist eng im Austausch und hat selbst unzählige Keynotes auf diversen Events live miterlebt. Aus diesem prall gefüllten Erfahrungsschatz sind hier ihre Top-Tipps für die perfekte Keynote:
- Die 3-Themen-Regel bei der Positionierung: Wer zu allem sprechen kann, steht am Ende für nichts. Nicole empfiehlt Speaker:innen, sich auf rund drei Kernthemen zu fokussieren. Eine spitze Positionierung schafft Vertrauen bei Veranstalter:innen und verhindert, dass die eigene Message auf der Bühne verwässert.
- Der magische „Phone Moment“: Eine herausragende Keynote folgt immer einem roten Faden und steuert auf 3 bis 5 konkrete Key Takeaways zu. Das Highlight jeder Präsentation sollten jedoch gezielte Phone Moments sein: Slides mit so exklusiven KPIs, überraschenden Thesen oder visuellen Aufhängern, dass das Publikum reflexartig das Smartphone zückt, um ein Foto für später zu machen.
- Snappy Pacing & Aufmerksamkeitsspanne: Der Sweet Spot für eine Solo-Keynote liegt bei rund 20 Minuten. In Zeiten von Social Media und sinkenden Aufmerksamkeitsspannen gilt: Lieber visuell ansprechend, dynamisch und „snappy“ präsentieren. Eine Slide darf ruhig mal nur 30 Sekunden stehen, wenn es den Vortrag am Leben hält, anstatt das Publikum mit zähen Textwüsten zu verlieren.
- Echte Geschichten statt reiner Selbstdarstellung: Wahres Charisma auf der Bühne entsteht nicht nur durch Extrovertiertheit. Publikum und Veranstalter:innen haben feine Antennen dafür, ob jemand nur bewundert werden möchte oder bereit ist, echten Mehrwert, Learnings und auch mal verletzliche „Fuckups“ zu teilen.
„Wer zu allem sprechen kann, steht am Ende für nichts.“
Nicole über spitze Positionierung
Kapitel 03Klartext: Gagen, Diversität und das Ende des Gatekeepings
Beim Thema Gagen räumt Nicole erst mal mit einer Erwartung auf: Es gibt keinen Leitfaden. Praktisch führen drei Wege auf eine Bühne — man kauft sich einen Slot ein (meist gekoppelt an Booth oder anderweitige Platzierung der Company), man spricht for free für die Sichtbarkeit, oder man wird bezahlt. Und auch innerhalb der dritten Kategorie liegt alles zwischen übernommenen Reisekosten und Speaking als Hauptberuf.
Gratis-Slots lehnt sie deshalb nicht pauschal ab. Für Menschen ohne großen Namen sind sie eine Übungswiese: erst mal kleinere Bühnen oder Podcasts, um herauszufinden, ob das Format überhaupt Spaß macht und ob die eigene Expertise so ankommt, wie man es sich vorgestellt hat. Dauerhaft for free zu sprechen, davon rät sie allerdings ab — eine Keynote ist nicht „hinfahren und reden“, sondern Konzeption, Slides, Üben, Vor- und Nachbereitung. Je nach Länge und Routine geht dafür schnell eine ganze Arbeitswoche drauf.
Kritisch wird es für sie, wenn Gagen innerhalb eines Events auseinanderfallen. Sie erzählt von einer Impact-Konferenz — einem Feld, in dem Budgets ohnehin schwer zu generieren sind: Eine Speakerin, die genau für dieses Thema steht, ein Unternehmen darum aufgebaut hat und täglich damit arbeitet, bekam eine kleine Gage. Eine deutlich reichweitenstärkere Speakerin ohne inhaltlichen Bezug zum Thema bekam ein Vielfaches. Solche Pay-Gaps zugunsten reiner Prominenz ohne wirklichen Bezug findet sie schwierig.
Ihr klares No-Go beim Programm ist die Bühne ohne Frauen. Den Satz „Wir haben alles gegeben, aber leider keine weiblichen Expertinnen gefunden“ liest sie auf LinkedIn immer wieder — und denkt sich jedes Mal: call me. Dass es Themen gibt, die männlich dominiert sind, bestreitet sie nicht. Aufs gesamte Event gerechnet gilt aber: 50/50 wäre das Beste, 40/60 das Ziel, 30/70 der Worst Case. Wer wirklich sucht, findet — notfalls über einen LinkedIn-Post. Es ist dann vielleicht nicht die Person mit 40.000 Followern, aber die, die trotzdem echte Expertise und Diversität an den Tisch bringt. Fairerweise fügt sie an: Auf den Events der letzten Zeit ging es nach Bauchgefühl schon stark in Richtung 50/50.
Drei Dinge zum Mitnehmen
- Rund drei Kernthemen — eine spitze Positionierung schafft Vertrauen bei Veranstalter:innen.
- Baue bewusst „Phone Moments“ ein: Slides, die das Publikum fotografieren will.
- 20 Minuten, snappy präsentiert, schlagen 40 Minuten Textwüste.
Willkommen im Business 2.0
Das Gespräch mit Nicole war super locker, total sympathisch und durchweg von ihrer ehrlichen, offenen Art geprägt. Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Obwohl gerade im Speaker- und Agenturbereich in der Theorie ein starker Konkurrenzkampf herrscht, denkt und handelt Nicole unfassbar modern.
Sie bewegt sich ganz bewusst weg von der klassischen Ellbogengesellschaft, hin zu mehr Gemeinschaft, Austausch und gegenseitigem Support. Das finde ich wunderbar erfrischend, weil dabei klar wird: Hier steht nicht der harte, starre Agenturansatz im Vordergrund, sondern viel Persönlichkeit, echte Leidenschaft und die persönliche Beziehung zu den Menschen.
Für mich fühlt sich das durch und durch nach „Business 2.0“ an — ein wertebasierter Umgang miteinander, der zeigt, wie zukunftsfähige und erfolgreiche Zusammenarbeit in der Eventbranche heute funktioniert.