Helen plant keine Partys. Sie plant Marketing — mit Budget, Zielgruppe und Zahlen dahinter. Im Gespräch wird schnell klar, wie viel Vorarbeit in einer einzigen Influencer-Reise steckt und warum der Erfolg eines Events nicht am Applaus, sondern an einer KPI abzulesen ist.
Kapitel 01Vom Hostess-Job zur Inhouse-Strategin: Ein Karriereweg mit Fokus
Helens Einstieg in die Eventbranche war ganz klassisch: als Servicekraft und Hostess über eine Personalagentur in Frankfurt. Dort sprang der Funke über, vor allem beim Blick hinter die Kulissen, wo unzählige Zahnräder ineinandergreifen, ohne dass der Gast etwas davon mitbekommt.
Es folgten ein duales BWL-Studium mit Schwerpunkt Messe-, Kongress- & Eventmanagement in Mannheim mit der Frankfurter Buchmesse als Praxispartner und während der Pandemie ein Master in Sports, Culture & Event Management in Tirol. Nach zweieinhalb Jahren bei The Quality Group, wo sie Messeauftritte, Brand Activations und Sponsorings für ESN und More Nutrition umsetzte, wechselte sie im Februar 2026 als Group Event Managerin zur SNOCKS Group.
Hier ist sie für die Planung von Team Events und vor allem von Creator Events verantwortlich.
„Events sind mehr als nur Partys und werden als Marketing-Tool noch immer maßlos unterschätzt. Dabei sind Events das mit Abstand beste Format, um eine Brand offline erlebbar zu machen.“
Helen Atzert über ihr Verständnis von Eventmanagement
Kapitel 02Was sind Creator Events?
Bei Creator Events lädt eine Marke nicht ihre Endkund:innen ein, sondern Influencer, die für die Brand arbeiten oder künftig arbeiten sollen. Die Gästeliste wird nach einer klaren Zielgruppe kuratiert. Bei SNOCKS sind das meist Reisen mit drei Übernachtungen, die bewusst in Sale-Zeiträume gelegt werden. Das Ziel: Die Marke soll beim Creator mit positiven Erinnerungen verknüpft werden, im Idealfall entsteht Brand-Content über die vertraglichen Vereinbarungen hinaus, und am Ende stehen Reichweite und Sales. Anders als bei ESN und More Nutrition, wo Präsenz und Brand Awareness oft im Vordergrund stehen, verknüpft SNOCKS seine Events direkt mit Performance-Zielen.
Kapitel 03Das 1x1 der Creator-Reisen: In 9 Schritten zum perfekten Event
Dass man Creator heute nicht mehr mit einem Standard-Abendessen und einem Goodie-Bag beeindruckt, ist kein Geheimnis. Das zehnte Pool-Villa-Klischee lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Um Events zu kreieren, die in Erinnerung bleiben und echten Output generieren, folgt das SNOCKS Event Team bei der Planung einer klaren, chronologischen Strategie:
1. Das Ziel des Events definieren
Bevor auch nur eine Location angefragt wird, muss das Fundament stehen: Welches Ziel verfolgt der Trip? Welche konkreten Produkte sollen promotet werden und was ist die Kernmessage der Brand? Das gesamte spätere Programm muss sich organisch diesem Ziel unterordnen.
2. Die Gästeliste kuratieren (statt random einladen)
Einfach die reichweitenstärksten Köpfe zusammenzuwürfeln, funktioniert nicht. SNOCKS setzt auf kleine, homogene Gruppen von ca. 20 bis 25 Personen aus derselben Content-Nische (z. B. Outdoor & Active Lifestyle). Das schafft sofort eine gemeinsame Basis.
3. Den Icebreaker vorab mitdenken
Auch bei einer perfekt kuratierten Gästeliste kennen sich nicht alle. Noch bevor die Einladungen rausgehen, plant Helen das Programm so, dass es direkt am ersten Abend einen gezielten Icebreaker gibt. Ein lockeres Kennenlern-Format bricht sofort das Eis und formt aus Einzelpersonen eine echte Gruppendynamik.
4. Landingpages statt WhatsApp-Chaos
Das Event-Erlebnis beginnt nicht erst beim Aussteigen aus dem Zug, sondern bereits mit der Einladung. Statt unübersichtlicher WhatsApp-Gruppen setzt SNOCKS auf eigens gebaute Landingpages im Look & Feel des Events. Hier werden alle Infos gebündelt und Daten der Gäste professionell abgefragt.
5. Das Briefing im Voraus
Damit es vor Ort wirklich „flown“ kann, brauchen die Creator im Vorfeld ein glasklares Briefing. Wenn jeder genau weiß, was ihn erwartet und was die inhaltlichen Aufhänger sind, entsteht Sicherheit – und kreativer Freiraum für besseren Content.
6. Timetable-Gestaltung: Die heilige „Content Time“
Der größte Fehler in der Eventplanung? Eine überladene Agenda. Creator fahren nicht in den Urlaub, sie arbeiten. Wer keine Pausen zum Sichten und Schneiden des Contents einplant, hat abends beim Dinner eine frustrierte Gruppe sitzen, die schweigend und gestresst an ihren Handys arbeitet.
7. Event-Design: Branding bis in die kleinste Ecke
Es braucht keine aufdringlichen Werbebanner, sondern Liebe zum Detail. Maßgeschneiderte Plotterfolien an Spiegeln und Fenstern, gebrandete Handtücher oder Kissen – die Marke muss im Set-Design so subtil und doch allgegenwärtig verwoben sein, dass sie in jedem Foto und Video organisch stattfindet.
8. Professional Content in Realtime
Ein absolutes Muss: Professionelle Fotografen und ggf. Videografen begleiten das Event. Über QR-Codes oder Live-Drives bekommen die Creator das High-End-Material fast in Echtzeit zur Verfügung gestellt und können es direkt für ihre eigenen Storys nutzen.
9. Die Top-Ideen für das Programm: Inneres Kind & Kopfkino
Wenn dieser Rahmen steht, geht es an die inhaltlichen Highlights, und hier setzt Helen auf unerwartete Emotionen. Um das innere Kind zu triggern, mietete SNOCKS bei einer Reise an den Dümmer See kurzerhand einen kompletten Indoor-Spielplatz exklusiv. Bei einer Bällebad-Challenge und einer anschließenden E-Bike-Rallye inklusive echter Bagger-Station erlebten gestandene Erwachsene pure, kindliche Freude, Content-Garantie inklusive. Ebenso wirkungsvoll ist Kopfkino: Für Oceansapart ging es in die Toskana, wo die Gäste statt eines klassischen Ausflugs mit Vintage-Oldtimern und wehenden Kopftüchern durch die Landschaft cruisten. Momente, die man sonst nur aus Filmen kennt, werden so zur erlebbaren (und extrem teilbaren) Realität.
Kapitel 04Der Event-ROAS: Wie man Emotionen und Sales messbar macht
In vielen Unternehmen gelten Events noch immer als „Kostenfresser“, deren Erfolg man höchstens an lächelnden Gesichtern ablesen kann. SNOCKS beweist, dass es anders geht, und arbeitet mit einem eigenen Event-ROAS (Return on Ad Spend). Das Rechenkonstrukt verbindet harte Zahlen mit qualitativen Daten:
Investment: Reale Ausgaben vs. monetäre Sponsorings & Barter-Deals.
Partner-Brands: Durch geschicktes Co-Sponsoring (z. B. Mammut für Outdoor-Equipment, ESN für Nutrition) wird das Event für die Gäste aufgewertet, ohne dass das eigene Budget explodiert.
Earned Media Value (EMV): Berechnung des Werts aller zusätzlichen, nicht vertraglich fixierten Stories, Reels und Posts der Creator.
Qualitatives Feedback: Standardisierte Typeform-Umfragen nach dem Event zur Abfrage der Zufriedenheit.
Kapitel 05Resilienz statt Party-Planung: Schluss mit der Unterschätzung
Zum Abschluss des Gesprächs plädiert Helen für mehr Respekt gegenüber dem Berufsstand des Eventmanagers. Das Klischee der „Party-Planung, die jeder Werkstudent mal eben nebenbei macht“, wird der enormen Komplexität nicht gerecht.
Denn Plan A wird fast immer scheitern: Ob Wetterumschwung, Stau oder fehlende Lieferungen, es gibt immer Faktoren, die man nicht kontrollieren kann. Entscheidend ist, Ruhe zu bewahren und lösungsorientiert zu handeln. „Wir operieren schließlich nicht am offenen Herzen.“ Genauso wichtig ist für Helen die Wertschätzung gegenüber allen Beteiligten. Dienstleister, Catering-Teams und Technik-Crews sind für sie keine Erfüllungsgehilfen, sondern Partner auf Augenhöhe, und ehrliches Lob vor Ort stärkt den Teamgeist gerade dann, wenn es chaotisch wird.
Wer in die Branche einsteigen will, dem rät sie zu einem Praktikum in einer Eventagentur im Sommer. Wer die langen Tage und den Stress dort meistert und danach immer noch brennt, hat den richtigen Job gefunden.
Drei Dinge zum Mitnehmen
- Erst das Ziel, dann die Planung: Jedes Event-Detail muss sich der Kernmessage und den zu promotenden Produkten unterordnen.
- Content Time ist Pflicht: Gib Creatorn ausreichend Zeit im Tagesablauf, um Material zu verarbeiten – sonst leidet die Stimmung beim Abendprogramm.
- Messbarkeit einführen: Verbinde Ausgaben, Earned Media Value und Partner-Sponsorings zu einer klaren KPI wie dem Event-ROAS.
Wenn Leidenschaft auf klare KPIs trifft
Als Moderatorin erlebe ich Events meist von der Bühnenseite aus. Das Gespräch mit Helen hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel strategische Denkarbeit, kalkulatorische Präzision und Herzblut nötig sind, damit eine Markenwelt offline lebendig wird. Es ist erfrischend zu sehen, wie eine junge Generation von Eventstrateginnen den Spagat zwischen kreativem Erlebnismarketing und harter E-Commerce-Messbarkeit meistert.