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Interview · Eventproduktion

„Die einzige Möglichkeit, Großartiges zu leisten, ist, zu lieben, was man tut“

Wer in der Kölner Event- und Medienszene unterwegs ist, kommt an seinem Namen kaum noch vorbei: Benny Schmidt. Wir haben uns auf einem Event kennengelernt und waren schnell auf einer Wellenlänge. Benny ist Gründer der Be.A.Star-Productions GmbH sowie der Veranstaltungsfirma FAIME. Mit seinem Team produziert er nicht nur erstklassigen Video-Content für namhafte Kunden, sondern stellt als Produzent komplett eigene, riesige Eventformate auf die Beine.

Ein Gespräch von Franziska Grabow 28. August 2026 8 Min. Lesezeit Gast: Benny Schmidt
Volle LANXESS Arena beim Format „Der größte Pitch“ mit blauen Lichtstrahlen über der Bühne
„Der größte Pitch“ in der LANXESS Arena: in sechs Wochen aus dem Boden gestampft. Foto: Be.A.Star-Productions GmbH.

In unserem Gespräch haben wir tief in die Mechanik erfolgreicher Großevents geblickt. Wie schafft man es ohne Fremdkapital in die LANXESS Arena? Warum ist klassisches Sponsoring oft ein Fehler? Und wieso ist die Leidenschaft der wahre Motor hinter spektakulären Live-Erlebnissen? Hier sind die spannenden Antworten.

Kapitel 01Der Werdegang: Vom Studienabbrecher zum Arena-Produzenten

Benny Schmidts Karriere begann nicht mit einem geradlinigen Masterplan, sondern mit einem starken unternehmerischen Antrieb. Ursprünglich zog er vor rund elf Jahren nach Köln, um an der privaten Hochschule Macromedia Entertainment Management zu studieren. Obwohl er ein großzügiges Stipendium erhielt, sah er das Studium primär als Netzwerk-Plattform. Bereits im allerersten Semester gründete er sein erstes Baby: Be.A.Star-Productions. Als das Geschäft nach drei Semestern derart durch die Decke ging, brach er das Studium kurzerhand ab – wird heute aber witzigerweise von der Hochschule immer noch stolz als Alumni geführt.

Um zunächst Geld zu verdienen und das Business aufzubauen, fokussierte sich Benny auf Hochzeitsvideos. Anstatt als Einzelkämpfer zu arbeiten, dachte er sofort in Skalierung und baute ein Team auf, das im Jahr bis zu 150 Hochzeiten begleitete.

Doch das eigentliche Ziel war immer die Live-Event-Branche. Da ein einfaches Comedy-Format auf YouTube in der Masse untergegangen wäre, nutzten Benny und sein Team ihre Expertise in der Hochzeitsbranche und riefen den Wedding King Award ins Leben. Was als clevere Idee startete, ist heute, nach acht Jahren, die größte Preisverleihung der deutschen Hochzeitsbranche. Ein echtes Show-Spektakel in der Kölner Flora, das zuletzt 20.000 Live-Zuschauer auf YouTube anlockte und sogar das ARD Morgenmagazin auf den Plan rief. Aus diesem immensen Erfolg heraus wurde schließlich die Veranstaltungsfirma FAIME gegründet, um als eigenständiger Produzent aufzutreten.

Kölner Flora bei Dämmerung, in Rosa angestrahlt, mit Bodenfeuer-Fontänen vor dem Eingang zu den Wedding King Awards LED-Kugel mit Wedding-King-Awards-Logo unter den Kronleuchtern der Kölner Flora
Wedding King Awards in der Kölner Flora: nach acht Jahren die größte Preisverleihung der deutschen Hochzeitsbranche. Fotos: Be.A.Star-Productions GmbH.

Kapitel 02Großdenken & eigene Formate: In sechs Wochen in die LANXESS Arena

Als die Formate in der Flora immer größer wurden, stießen die Produktionskosten an ihre Grenzen: Technik-Leihen im Wert von 250.000 bis 300.000 Euro machten einzelne Event-Tage schlicht unrentabel. Bennys Lösung war genial: Warum den extremen Auf- und Abbau nur für einen Abend nutzen? So entstand die Idee, in einem Zeitraum gleich mehrere Formate in derselben Location zu veranstalten. Im letzten Jahr setzten sie in zehn Tagen elf verschiedene Events um – vom Konzert über Comedy bis hin zum Innovationspreis. Für dieses Jahr sind sogar drei Wochen mit 20 unterschiedlichen Veranstaltungen geplant.

Dieser unkonventionelle Erfolg weckte die Aufmerksamkeit der renommierten LANXESS Arena. Man setzte sich zusammen und Benny bat unverblümt um einen freien Termin. Gleich am nächsten Tag klingelte das Telefon: In genau sechs Wochen sei ein Freitag frei – eine echte Reifeprüfung. Benny sagte sofort zu, ohne überhaupt ein Konzept in der Tasche zu haben.

In Rekordzeit von nur sechs Wochen stampften sie „Der größte Pitch“ aus dem Boden. Benny wollte sich nicht damit zufriedengeben, als reiner Veranstalter externe Konzerttickets zu verkaufen. Er wollte ein Format kreieren, das komplett aus der eigenen Feder stammt: eine Art „Höhle der Löwen“ in gigantisch. Mit Erfolg: Die halbe Arena war gefüllt, für das nächste Jahr peilt das Team bereits 10.000 Zuschauer an.

Für Benny ist dieser organische Aufstieg der Kern echten Unternehmertums. Er steht dem modernen Startup-Modell, bei dem oft erst Millionen eingesammelt werden müssen, bevor eine Idee umgesetzt wird, kritisch gegenüber. Sein Weg war es, sich über elf Jahre vom kleinen Event kontinuierlich und aus eigener Kraft bis in die Stadien hochzuarbeiten.

Siegerteam mit 100.000-Euro-Schild und Blumen auf der Arena-Bühne, Funkenfontänen im Hintergrund
„Der größte Pitch“ in der LANXESS Arena: eine Art „Höhle der Löwen“ in gigantisch — 100.000 Euro Medialeistung für das Siegerteam. Foto: Be.A.Star-Productions GmbH.

Kapitel 03Erfolgsfaktor 1: Visuelle Inszenierung

Wie schafft man es, sich in einer hart umkämpften Branche derart zu etablieren? Für Benny lassen sich seine Ergebnisse auf drei essenzielle Säulen herunterbrechen. Die erste: ein roter Faden bei Be.A.Star und FAIME ist der kompromisslose Fokus auf die Inszenierung. Benny liebt Shows und visuelle Wow-Effekte. Das bedeutet nicht nur ein starkes Bühnenbild, sondern eine vollumfängliche Begleitung des Events – davor, währenddessen und danach.

Ein Paradebeispiel: Beim eigenen Format Deutscher Netzwerk Award (DNA) gab es im letzten Jahr rund 150 Partner. Statt nach dem Event ein klassisches Highlight-Video an alle zu verschicken, produzierte Bennys Team 150 individuelle Filme. Jeder Partner erhielt ein eigenes Video mit seinem Logo, seinem O-Ton und speziell zugeschnittenen Szenen. Nach außen wirkte es, als wäre die riesige Veranstaltung nur für diesen einen Partner gemacht worden.

Benny kritisiert, dass viele Eventveranstalter oft an den falschen Stellen sparen. Ein teures Catering sei zwar nett, aber wenn dafür das Bühnenbild oder der visuelle Backdrop billig wirke, leide die Wertigkeit der gesamten Veranstaltung. Sein Tipp für kleinere Budgets: Startet klein, schnappt euch ein Smartphone, macht authentische Hintergrund-Interviews – aber macht euer Event visuell erlebbar!

Große Studiokamera auf Stativ in der Kölner Flora vor dem Einlass Gast im Publikum der Wedding King Awards jubelt mit erhobenen Armen zur Bühne
Vollumfängliche Begleitung: eigene Kameracrew, eigene Regie, eigener Content – davor, währenddessen und danach. Fotos: Be.A.Star-Productions GmbH.

Kapitel 04Erfolgsfaktor 2: Partnerschaften neu denken

„Ich brauche irgendeine Bank, die mir 5.000 Euro gibt“ – dieses klassische Sponsoring-Denken bringt laut Benny keinen echten Mehrwert. Geld als reines Sponsoring sieht er sogar oft als die Notlösung an. Viel wertvoller und mächtiger sind für ihn Barter-Deals (Leistung gegen Leistung), bei denen beide Seiten massiv profitieren.

„Geld als reines Sponsoring ist oft die Notlösung. Wer Sponsoren etwas Besonderes bietet, muss sich im Folgejahr keine Sorgen um die Finanzierung machen.“

Benny Schmidt

Ein unglaubliches Beispiel aus seiner Praxis ist die Partnerschaft mit Cittadino, einem großen Out-of-Home-Werbeanbieter. Bennys Produktionsfirma erstellt das ganze Jahr über hochwertigen Content für sie. Als Gegenleistung bekommt Benny Werbeflächen für seine Events auf den Screens großer Flughäfen und Raststätten. Wenn ein Gast am Abflug-Gate in München eine Grüße-Botschaft für ein Kölner Event sieht, sorgt das für offene Münder – ein Mehrwert, den kein einfacher Scheck kaufen kann.

Auch beim Mega-Projekt „Der größte Pitch“ setzte er auf diesen Ansatz. Als Neulinge in der Startup-Szene holten sie gezielt stark vernetzte Insider an den Tisch, kommunizierten ehrlich ihren verrückten 6-Wochen-Plan und gewannen sie als Partner.

Blick von der Bühne der LANXESS Arena in den Zuschauerraum, drei Pitch-Teilnehmende im Gegenlicht
Blick von der Pitch-Bühne: Reichweite, die kein Sponsoring-Scheck kaufen kann. Foto: Be.A.Star-Productions GmbH.

Kapitel 05Erfolgsfaktor 3: Leidenschaft & Scheitern

„Ich würde niemals ein Event machen, auf das ich keinen Bock habe – egal wie viel Geld im Spiel ist“, betont Benny ganz klar. Seine Formel für den Erfolg: „Wenn man das Event vor seinem eigenen Auge sehen kann, dann wird das funktionieren.“ Bei der Idee zum Arena-Pitch hatte er sofort ein glasklares Bild im Kopf, das ihn antrieb.

Gleichzeitig gehört das Scheitern als Event-Produzent unvermeidlich dazu. In den Momenten, in denen man mit dem Rücken zur Wand steht, zeigt sich der wahre Charakter – sowohl der eigene als auch der der Partner. Wenn alles glatt läuft, ist es leicht, umjubelt zu werden. Doch wenn Krisen auftreten, trennt sich die Spreu vom Weizen. Bennys stärkster Ratschlag: Bleibt euren Werten treu. Wer sich von falschem Geld oder falschen Projekten blenden lässt, zahlt am Ende drauf.

Benny Schmidt mit Headset backstage, daneben eine Kollegin im grünen Abendkleid
Backstage, Headset auf: Wenn Krisen auftreten, trennt sich die Spreu vom Weizen. Foto: Be.A.Star-Productions GmbH.

Vier Dinge zum Mitnehmen

  • Groß denken, klein anfangen: Elf Jahre organisches Wachstum vom Hochzeitsvideo bis in die Arena – ohne Fremdkapital, aber mit klarer Richtung.
  • Nicht am Sichtbaren sparen: Ein teures Catering rettet kein billiges Bühnenbild. Wer Budget hat, investiert zuerst in das, was die Gäste sehen und mitnehmen.
  • Barter statt Scheck: Leistung gegen Leistung bringt Partnern oft mehr als Geld – und dem Event Reichweite, die man nicht kaufen kann.
  • Nur Formate, die man vor Augen sieht: Wenn das Bild im Kopf nicht glasklar ist, funktioniert das Event auch auf der Fläche nicht.
Franziskas Fazit

Warum visuelle Power und Bühnenpräsenz Hand in Hand gehen

Das tiefgehende Gespräch mit Benny war für mich ein absoluter Eye-Opener. Es verdeutlicht, was für eine unfassbare Kraft entsteht, wenn Macher-Mentalität auf visuelle Exzellenz trifft.

Als Event-Moderatorin erlebe ich oft, dass meine Leistung auf der Bühne nur so stark sein kann wie der Rahmen, in den sie gebettet ist. Wenn ich als Host auf einer Bühne stehe, die visuell perfekt inszeniert ist, und ein durchdachtes Konzept den Partnern und Gästen ein unvergleichliches Erlebnis liefert, überträgt sich diese elektrisierende Energie sofort auf mich und das Publikum.

Bennys Ansatz, Formate aus Leidenschaft radikal neu zu denken, Partner zu echten Beteiligten zu machen und visuell keine Kompromisse einzugehen, ist ein Vorbild für unsere Branche. Es zeigt: Wenn Medienproduktion, Event-Dramaturgie und Moderation nahtlos ineinandergreifen, entsteht Magie. Ich bin gespannt, welche Arenen Bennys Team als Nächstes füllen wird.

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